Mehr als 120 Jahre höhere Schulbildung in Schmölln verbinden sich mit einer wechselvollen Geschichte, eingebettet in gesellschaftliche Umbrüche, die sich im schulischen Kontext in unterschiedlichen Bereichen auswirkten und auswirken.

1902 eröffnete die Herzogliche Realschule als Bildungseinrichtung mit naturwissenschaftlich-technischer Ausrichtung. Der zu dieser Zeit rasante technische Fortschritt führte auch in Schmölln zu nachhaltigen Veränderungen,  die sich an den Bedarf gut vorgebildeter Techniker, Ingenieure Verwaltungsbeamten und Kaufleuten orientierte und jungen Menschen Perspektiven eröffnen sollte.

Das 1869 -1872 errichtete Schulgebäude in der Schloßstraße erwies sich schon zu Beginn des 20.Jahrhunderts als zu klein und erhielt einen weiteren Anbau. Am 6. April 1902 wurden dann höheren Klassen gebildet und nach den damaligen Richtlinien zum Abitur geführt.

1927 feierte man das 25 jährige Jubiläum der Herzoglichen Realschule gemeinsam mit den Bürgern der Stadt Schmölln.

1930 wurde der Realschule eine höhere Landwirtschaftsschule angegliedert, die innerhalb Thüringens einzigartig war und neben dem Realschulabschluss auch die Befähigung zum sofortigen Berufseintritt ermöglichte.

In den Jahren von 1933 bis 1945 unterlag der Schulalltag den Vorgaben und Richtlinien der NS - Diktatur.

Im August 1944 diente das Schulhaus in der Schloßstraße teilweise als Lazarett für Verwundete von der Ostfront. Im März 1945 wurde der Schulbetrieb vollständig eingestellt.

Im Oktober 1945 bildete sich  aus der bisherigen Realschule eine Oberschule, die erstmalig nach dem Krieg bis zum Abitur führte und damit den Zugang zu einem Universitätsstudium ermöglichte.

Die Lehrer wechselten häufig und 1946 legten die ersten Schüler ihr Abitur ab.

In den kommenden Jahren gab es immer wieder Veränderungen, die sich stark auf den Schulbetrieb auswirkten. So sollte ab 1959 schrittweise die Zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule eingeführt werden. Die hatte für die Schüler der  Erweiterten  Oberschule zur Folge, dass andere Wege bis zur Aufnahme eines Studiums in den Vordergrund rückten. Die EOS-Abiturienten mussten vor dem Studienbeginn ein praktisches Jahr ableisten.

Ein Nebeneinander von EOS und Berufsschule gehörte über viele Jahre im Gebäude in der Schloßstraße zum Alltag.

Die sozialistische Bildungspolitik griff immer wieder verstärkt in die Umgestaltung des Schulsystems ein. In den 1970 er Jahren richtete sich die Schulpolitik immer mehr auf die Herausbildung sozialistischer Menschen aus. Alle Schüler legten in Klasse 10 die gleiche Prüfung ab, damit war der Weg für die Aufnahme einer Lehre frei. Wer den „richtigen“ Klassenstandpunkt hatte, konnte den Weg in Klasse 11 und 12 gehen, um mit dem Abitur ein Hochschulstudium aufnehmen zu können.

Die Schule trug zu dieser Zeit den Namen „ Dr- Theo-Neubauer“ Oberschule.

1981 endete die EOS als eigenständige Schule. Der Schulstandort der Erweiterten Oberschule mit den Klassenstufen 11 und 12   wurde der POS “Walter Kluge“ angegliedert.

Die historische Wende im Schulsystem und damit auch im Schmöllner Gymnasium begann 1989/1990.  Für die Schüler der höheren Jahrgangsstufen 11 und 12 waren das bewegte Jahre, da sie sich auf Umbenennungen und Lehrerwechsel einstellen mussten.

Der politische Umbruch veränderte die Schullandschaft dahingehend, dass das gegliederte Schulsystem in Thüringen eingeführt wurde. Landkreise, Schulämter und Kommunen stimmten über Schulstandorte ab und der damalige Landkreis Schmölln erhielt in der Stadt Schmölln ein Gymnasium.

Und im Jahr 1991 begann am Staatlichen Gymnasium Schmölln für 771 Schüler in 29 Klassen und mit 50 Lehrkräften der Unterricht. Dabei war der Standort in der Schloßstraße nicht ausreichend, denn es befand sich noch der Berufsschulteil im gleichen Gebäude. So wurde dem Gymnasium ein zweiter Schulteil (ehemalige Dr.-Richard-Sorge-Schule) in der Hermann-von-Helmholtz- Straße 18  zugesprochen.

Seit 1992 gehörten traditionsgemäß die beiden Schulteile zum Gymnasium und es kristallisierte sich die Teilung in die Sekundarstufe I (Klassen 5-9), die in der Hermann -von-Helmholtz-Straße ihren Standort hatte,  und Sekundarstufe II (Klassen 10-12), die in der Schloßstraße angesiedelt war, heraus.

Mit bis zu 800 Schülerinnen und Schülern beanspruchte das Staatliche Gymnasium Schmölln beide Gebäudeteile umfänglich und der bis dahin noch vorhandene Berufsschulteil wurde ausgelagert.

In den kommenden Jahren  etablierte sich das Gymnasium im  Landkreis  Schmölln als wichtige Bildungsstätte, die den Weg zur allgemeinen Hochschulreife ermöglichte.

Unter der Leitung von Frau Köhler gemeinsam mit vielen engagierten Kolleginnen und Kollegen wurde nicht nur der strukturelle Umbau des Thüringer Schulsystem am Gymnasium in Schmölln abgeschlossen, sondern es  ging in den Folgejahren vor allen Dingen um die inhaltliche Umgestaltung. Neue Lehrpläne waren zu implementieren, die Forderungen nach der Umsetzung von neuen kooperativen Unterrichtsmethoden, in der Oberstufe ein andersartiges Bewertungssystem und das damit verbundene Ziel, unseren Schülerinnen und Schülern  ein Bildungsangebot vorzulegen, das sowohl die naturwissenschaftlichen als auch gesellschaftswissenschaftlichen und sprachlich/musischen Bereiche einbindet. Aus diesen Anforderungen heraus entwickelten sich  viele, inzwischen liebgewonnenen Traditionen, die heute für die Region und der Stadt Schmölln aus dem öffentlichen Leben nicht mehr wegzudenken sind.

Wer denkt da nicht an die gut besuchten Weihnachtsbälle immer am 27. Dezember eines Jahres, die vor allen Dingen den ehemaligen Schülern Gelegenheit  gaben bzw. geben, ihre Lehrer wiederzusehen, in Erinnerungen zu schwelgen oder sich einfach nur auf das von den 12. Klassen gut vorbereitete Programm zu freuen.

Es gehören zu unseren wichtigen Traditionen auch die vorweihnachtlichen Konzerte in der Schmöllner Stadtkirche oder unsere Frühlingskonzerte, zu denen besonders engagierte Schülerinnen und Schüler durch unseren Förderverein geehrt werden.

Projekte, wie Young Americans,  das Opernprojekt  und  Studienfahrten nach Großbritannien, Italien, Göttingen, bereicherten das vielfältige Unterrichtsangebot und stärken unsere Schulgemeinschaft.

Im Jahre 2002 konnte das Staatliche Gymnasium Schmölln endlich den Namen Roman- Herzog- Gymnasium als offiziellen Schulnamen führen. Eine jahrelange Diskussion und reichlich Unterstützung durch die örtliche Politik machten diesen Schritt möglich. Ein besonders gelungener Anlass war dann der Besuch des ehemaligen Bundespräsidenten am Gymnasium im Jahr 2002.

Ein einschneidender Umstand wurde im Jahr 2016 mit einer zufälligen Veröffentlichung einer Aussage der damaligen Landrätin Frau Soijka aufgetan.

„Die Oberstufe aus Schmölln kann auch in Altenburg unterrichtet werden.“  Das wäre das Ende des Schmöllner Gymnasiums!

Eine Welle der Sympathie machte sich unter der Schmöllner Bürgerschaft  und im Schmöllner Umland auf. Proteste, Diskussionen mit vielen Verantwortlichen im Altenburger Land und in der Stadt Schmölln, eine Unterschriftensammlung, Gespräche mit der Landrätin bündelten sich dann schließlich in einer Entscheidung, die dem Gymnasium in Schmölln den Standort sicherte und sogleich auch verbunden mit einer Modernisierung mit attraktiven Anbau. Der Wermutstropfen war ganz sicherlich die Aufgabe des ursprünglichen Gebäudeteils in der Schloßstraße - liebevoll „Das Schloss“ genannt.

In einer Rekordbauzeit von knapp 2 Jahren wurde das Schulgebäude in der H.-v.-Helmholtz-Straße umgebaut und teilsaniert.

Am 19. Dezember 2018 wurde unser Schulgebäude  mit der offiziellen Schlüsselübergabe zur Nutzung freigegeben.

Für die älteren Schülerinnen und Schüler sowie für unser Kollegium  war „Das Schloss“ noch in guter Erinnerung, doch inzwischen schätzen alle die helle, moderne, freundliche Ausgestaltung.

Der aktuelle Fokus liegt in der weiteren Ausgestaltung unseres Schulprofils. Es ist uns wichtig, die Allgemeinbildung im gesamten schulischen Kontext immer im Blick zu haben. Zusätzlich stärken wir unsere Ausrichtung auf die MINT Fächer, d.h. auf den naturwissenschaftlichen Teil.

Im Jahr 2019 wurde uns der Titel „MINT-freundliche Schule“ verliehen. Das ist das Ergebnis unserer Anstrengungen, im naturwissenschaftlichen Bereich intensiv gearbeitet zu haben als auch Ansporn hier weiter zu machen.

Die Verbindung zur Region Schmölln stellt in diesem Zusammenhang ebenfalls eine Herausforderung dar, die wir mit einen neuen Wahlpflichtfach –ThinkTech – ins Leben gerufen haben.

Das Pilotprojekt startete im September 2020  mit drei regionalen Firmen, die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe in Ihren Firmen unterrichten, sozusagen an der Basis und das nicht nur im praktischen Sinn sondern ausgerichtet auf naturwissenschaftliche Inhalte.

Zu den Firmen, die mit uns diesen Weg gemeinsam gehen,  gehören:

Indu-Sol GmbH, Dietzel Hydraulik GmbH und Apollo Gößnitz GmbH.

Im Schuljahr 2021/2022 können wir auf weitere Firmen hoffen. So werden Voestalpine Schmölln GmbH, KTS- Kunststoff Technik Schmölln und auch POG Präzisionstechnik Gera GmbH uns in diesem Fach ThinkTech Unterstützung geben.

Das Roman-Herzog-Gymnasium Schmölln steht für die Region und richtet seine schulische Ausbildung auch für unsere Region aus.

 

Schulleiterin

Martin Pleuse

 

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